Kein anderes Gebäude in der Bundesrepublik weiß so beredt von der wechselvollen parlamentarischen Geschichte des Landes zu erzählen, wie der Berliner Reichstag. Als monumentaler Zeuge des deutschen Kaiserreichs, der ersten deutschen Demokratie, der Zerstörungen des Nationalsozialismus, des Wiederaufbaus und schließlich der Wiedervereinigung berichtet das Gebäude sowohl von den Wunden als auch von den Glücksmomenten deutscher Geschichte.Der erste gesamtdeutsch gewählte Reichstag trat Ende März 1871 zusammen und forderte den Bau eines repräsentativen Gebäudes für das Parlament. 1884 kam es schließlich zur Grundsteinlegung des von dem Oppenheimer Architekten Paul Wallot entworfenen Reichstages. Im Jahre 1894 konnte das neue Gebäude schließlich feierlich eingeweiht und dem Parlament übergeben werden.
Nach den „Novemberwirren", die auf das Ende des Ersten Weltkriegs folgten, wurde das Reichstagsgebäude Sitz des Parlaments der „Weimarer Republik". Am 27. Februar 1933 brannte der Berliner Reichstag. Der Holländer Marinus van der Lubbe wurde kurz nach dem Brand als Tatverdächtiger verhaftet. Zahlreiche Historiker sind jedoch der Auffassung, dass die Nazis das Parlamentsgebäude in Brand steckten und damit, nach der Machtergreifung Hitlers im Januar nun endgültig für jeden sichtbar, die Lunte an die deutsche Demokratie legten. Sinnbildlich für den Niedergang des Parlaments unter den Nationalsozialisten brannte das Gebäude völlig aus.Nachdem das Haus nach den verheerenden Bombenangriffen des 2. Weltkriegs endgültig zerstört war, wurde es schließlich anlässlich des 100. Jahrestages des Zusammentretens des ersten Reichstages wieder aufgebaut. Schließlich wurde im Berlin-Beschluss 1991 festgelegt, dass der Reichstag zu Berlin erneut das Parlament des wiedervereinigten Deutschlands beherbergen solle.
Benannt nach dem Sozialdemokraten, der als langjähriger Reichstagspräsident Mitglied des Parlamentarischen Rates war und im September 1949 in der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestages als Alterspräsident die Eröffnungsrede hielt, ist das Gebäude eine der architektonischen Visitenkarten des Berliner Regierungsviertels, mitten im ehemaligen Niemandsland an der Mauer.
Das nach der FDP-Politikerin benannte Marie-Elisabeth-Lüders Haus, das mit zwei Brücken über die Spree mit dem Paul-Löbe Haus verbunden ist und damit Ost und West mit diesem „Sprung über die Spree" auch architektonisch vereint, beherbergt die zentrale Parlamentsbibliothek, einen Anhörungssaal, Büros und Besprechungsräume sowie die Fachbereiche der wissenschaftlichen Dienste. Herzstück des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses ist die Bibliotheksrotunde. In Berlin findet nach Washington und Tokio die weltweit drittgrößte Parlamentsbibliothek ihr Domizil. Die nicht öffentliche Bibliothek enthält Nutzungsbereiche für Abgeordnete, Fraktionen und Mitarbeiter des Deutschen Bundestags einschließlich des sich über mehrere Ebenen staffelnden Lesesaals und Beratungsbereichs.
Der größte Neubau für den Bundestag liegt direkt an der einstigen Nahtstelle zwischen Ost und West. Der Namenspatron war einer der Väter des Grundgesetzes. Jakob Kaiser war Mitglied des Parlamentarischen Rates und trat als Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen in den 50er Jahren für ein vereintes Deutschland ein. Kaiser war als christlicher Gewerkschaftsführer im Widerstand gegen Hitler aktiv.